„Einschulungsgeschichte vom 23.8.2025 – Sterne sprachen einst zu Menschen“ von Maike Lübbert, Mitglied der Gründungsinitiative, Visionärin und Eurythmie Lehrerin

Vor langer, langer Zeit, da konnten die Menschen noch die Sprache der Sterne hören und

verstehen. Wenn sie scheinbar unerfüllbare Träume oder Wünsche hatten oder in

schwierigen Situationen keinen Ausweg sahen und nach Antworten auf ihre Fragen suchten,

gingen sie in sternklaren Nächten nach draußen und lauschten den Sternen. Und auch,

wenn sie manchmal noch einmal darüber schlafen mussten, so wussten sie doch in ihrem

Herzen die Antwort, nach der sie gesucht hatten, oder es kamen ihnen neue Gedanken und

Ideen.

Heutzutage wissen nur noch wenige Menschen um dieses Geheimnis, und man muss sein

Herz und seine Ohren viel weiter öffnen, um die Sterne sprechen zu hören.

Vor sieben Jahren im Sommer, in einer sternklaren Nacht, in so einer Nacht, in der man die

Sternschnuppen besonders schön sehen kann, geschah es, dass ganz unterschiedliche

Menschen nach draußen in die Natur gingen und sich in den Glanz der Sterne hineinträumten.

Und plötzlich wussten sie in ihren Herzen, dass es ihr sehnlicher Wunsch war, einen Ort zu

finden, an dem Kinder fröhlich spielen, lernen, wachsen und gedeihen können – mitten in

der Natur und von allen Elementen umgeben. Fruchtbarer Boden sollte dort zu finden sein,

auf dem kräftige alte Bäume stehen und Gemüse und Obst wachsen kann. Tiere sollten an diesem

Ort mit den Menschen leben und ihnen dienen. Das Wetter sollte genügend Sonne, Regen

und Wind für sie bereithalten. Und es sollte ein Ort sein, wo die Menschen fröhlich

zusammen arbeiten, singen, tanzen, lachen und leben können.

Ganz erfüllt von dieser Idee gingen sie schlafen. Am nächsten Tag, nach dem Aufwachen,

war eben diese Idee noch kräftiger in ihnen geworden, und jeder für sich wusste, dass er

oder sie diesen Ort unbedingt finden wollte. Wie aber sollte ein einzelner Mensch diese

Suche zum Erfolg führen? Doch als die Menschen einander trafen und sich über ihre

Erlebnisse austauschten, merkten sie, dass sie ja gar nicht alleine waren. Und sie beschlossen

gemeinsam sich aufzumachen, um diesen Ort zu finden.

Zunächst suchten sie in ihrer näheren Umgebung, wo dieser Ort sein möge? Aber sie fanden

ihn nicht. Da packten sie ihre Rucksäcke und wanderten los. Sie wanderten durch weite Ebenen und

Auenlandschaften, durchschweiften liebliche Hügel, erklommen hohe Berge. Manche

Menschen aus ihrer Gruppe schafften die steilen Anstiege im Gebirge nicht, oder ihre Kräfte

reichten nicht aus und verließen sie. Sie blieben zurück, winkten der Gruppe nach und

ermutigten sie, weiterzugehen und sich von ihrer Idee trotz manch großer Herausforderung

nicht abbringen zu lassen. Unterwegs schlossen sich ihnen neue Menschen an, denen sie von

ihrer Idee erzählten. Und auch diese konnten in ihren Herzen fühlen, dass sie genau so einen

Ort finden möchten.

Eines Tages gelangten sie ans Meer, aber noch immer war dieser Ort nicht gefunden. So be-

schlossen sie, gemeinsam ein Schiff zu bauen. Sie besorgten Holz und fingen mit dem Bau

an. Tüchtige Handwerker gesellten sich zu ihnen, die ihnen helfen wollten, an ihr Ziel zu

gelangen. Und so wuchs das Schiff seiner Vollendung entgegen.

Als der Rohbau des Schiffes fertig war, stellte die Menschengemeinschaft fest, dass sie noch

einen Kapitän brauchten. Schon eine ganze Weile war ein alter Kapitän mit ihnen gewandert,

und nachdem sie sich beraten hatten, beschlossen sie, ihn zu fragen, ob er ihr Schiff führen

wolle. „Nein“, sagte er entschlossen, „dieses Schiff muss ein junger Kapitän lenken. Aber ich

stehe ihm gerne mit Rat und Tat zur Seite.“

Zu ihrem großen Glück kam gerade eine Kapitänin aus Litauen die Mole entlang. Sie war

schon vor langer Zeit aufgebrochen von ihrem Hof mitten im Wald unter Eichenbäumen.

Bereits als Kind hatte sie die Welt entdecken wollen, sodass sie sich in jungen

Jahren auf den Weg machte, der sie weit weg von ihrem Heimathof geführt hatte. Sie war

schon auf vielen Schiffen gesegelt und hatte sie gesteuert, aber auf die Fahrt zu so einem

besonderen Ort war sie noch nie gegangen. Rasch war sie Feuer und Flamme und machte

sich mit auf die Suche nach weiteren Besatzungsmitgliedern.

Eine mutige Matrosin, die in dem kleinen Hafenstädtchen lebte, hatte schon länger in der

Nähe des Schiffes gestanden. Sie lauschte mit offenen Ohren und staunte nicht schlecht, als

sie hörte, mit welcher Idee und zu welchem Ziel dieses Schiff auf die Reise gehen wollte.

Die Kapitänin sah diese mutige Matrosin an. „Möchtest du mit zu uns an Bord kommen?“,

fragte sie. Und die Matrosin sagte freudig „Ja!“

Als das Schiff schon fast fertig war und nur noch die Segel fehlten und an manchen Stellen

poliert und der letzte Schliff verpasst werden musste, landete eines Tages am Hafen ein

Schiff aus dem fernen Mexiko. Eine junge Matrosin sah beim Einlaufen in den Hafen über

die Reling und entdeckte das wunderschöne neue Holzschiff. Am Abend schaute sie

neugierig bei dem neuen Schiff vorbei, nahm ihren ganzen Mut zusammen, fasste sich ein

Herz und fragte, wohin dieses Schiff auf die Reise gehen solle? Begeistert erzählte ihr die

eifrig werkelnde Truppe, dass sie den Sternen gelauscht und gehört hätten von einem Ort, an

​dem Kinder fröhlich spielen, lernen, wachsen und gedeihen könnten – mitten in der Natur

und von allen Elementen umgeben. Fruchtbarer Boden sollte dort zu finden sein, auf dem

kräftige alte Bäume stehen und Gemüse und Obst wachsen. Tiere sollten an diesem Ort mit

den Menschen leben und ihnen dienen. Das Wetter sollte genügend Sonne, Regen und Wind

für sie bereithalten. Und es sollte ein Ort sein, wo die Menschen fröhlich zusammen arbeiten,

singen, tanzen, lachen und leben könnten. Wie sie das hörte, fragte sie fast schüchtern, ob

noch Hilfe benötigt würde? Das wurde freudig bejaht.

In den umliegenden Dörfern und Ortschaften hatte es sich schon lange bei den Kindern

herumgesprochen, dass ein neues Schiff gebaut werde, welches einen ganz besonderen Ort

finden wolle. Die mutigsten von ihnen klopften mit ihren Eltern an und fragten, ob sie

auch mitkommen könnten. Gerne wurden sie aufgenommen und eingeladen, am vorletzten

Samstag des Augusts mit gepackten Rucksäcken zum Schiff zu kommen, denn da wollten

sie in See stechen. In den letzten Tagen davor packten alle noch gemeinsam mit an, sogar

die Eltern der mutigen Kinder, damit die Reise gelingen möge.

Nun war der vorletzte Samstag im August gekommen, und alle erschienen um zehn Uhr am

Hafen. Die Kinder sahen sich an, kannten sich noch nicht, schauten zur Kapitänin und den

mutigen Matrosinnen und wussten: hier, auf dieser großen Reise, werden sie Freunde fürs

Leben finden und viel Neues entdecken können.

Freudig strahlend und voller Hoffnung und Vorfreude auf die große Fahrt stiegen alle

Menschen ein, die an dem Schiff mitgebaut hatten, ebenso die Schiffsbesatzung, welche von

nun an das Schiff lenken wird, und die fröhlichen und mutigen Kinder. Ein leichter Regen

zog auf, der das Schiff segnete, und so wussten alle: Es wird gut werden. Eltern, Großeltern,

Paten und Freunde standen am Hafen und winkten dem Schiff fröhlich nach.

An dieser Stelle kann ich berichten, dass sie viel gesehen haben. Sie erlebten Sonnenschein

und Regen, und wenn ein Sturm oder Unwetter aufkam, wusste die Kapitänin immer, wie

diese gut zu umschiffen waren. Sie entdeckten auch viele neue Länder und sammelten

vielfältige Erfahrungen.

Aber noch immer fand sich der besondere, von ihnen gesuchte Ort nicht. Bis sie schließlich

zu einer wunderschönen Insel kamen, mit uralten Bäumen und fruchtbarem Boden. In dieser

Nacht sprachen die Sterne wieder zu den Herzen der Menschen, sodass sie am nächsten

Morgen wussten: Hier, auf dieser Insel, wollen wir diesen Ort gemeinsam erschaffen, denn

wir sind es selbst, die unsere Ideen und Visionen in die Welt bringen.